Informatik und Gesellschaft IM UNTERRICHT

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start M1: Kommunikationsmethoden

MODUL 1: Kommunikationsmethoden

E-Mail Drucken PDF

Ohne elektronische Kommunikation ist der gewohnte Alltag in modernen Industrieländern nur noch schwer vorstellbar. Laut BITKOM Presseinformation sind „rund 70 Prozent aller Deutschen […] online“[1] und rund „85 Prozent aller Internetnutzer ab 14 Jahre (knapp 43 Millionen Bundesbürger) versenden private Mails […]“[2]. Fast alle Dinge, die wir täglich erleben, werden kommuniziert – persönlich, per Post und immer häufiger elektronisch. Je nach äußeren Vorgaben (beispielsweise durch den Arbeitgeber) und eigener Persönlichkeit (mit Alter, ausgebildeter Medienkompetenz, speziellen Vorlieben etc.) nutzen wir hierfür die verschiedenen elektronischen Kommunikationsmethoden, die uns die moderne Technik zur Verfügung stellt. Kinder und Jugendliche nutzen „ihre neuen Medien“ ganz selbstverständlich als Kommunikationsmittel, da sie mit ihnen aufwachsen. Um sie vor den lauernden Gefahren der Medienwelt von Internet, Handy und Co. zu schützen, muss ihr Wissen über diese Medien gestärkt werden. Dabei ist zunächst eine Systematisierung der elektronischen Kommunikationsformen sinnvoll.

Systematisierung

Moderne (elektronische) Medien kann man auf verschiedene Art- und Weisen einteilen. Die Autorin hat eine Aufteilung in zeitunabhängige Medien und zeitabhängige Medien gewählt, da dieses Kriterium von Schülern verständlich nachvollzogen werden kann. Ein zeitunabhängiges Medium ist hierbei definiert als eigenständiges, zeitleistenunabhängiges Medium wie Text, Grafiken, Bilder. Ein zeitabhängiges Medium hingegen ist ein fortlaufendes Medium und muss als zusammenhängende Sequenz von Ereignissen betrachtet werden. Bezugnehmend auf die Abfolge von Anfrage und Antwort in einem Übertragungsprotokoll kann somit zwischen asynchroner Kommunikation und synchroner Kommunikation unterschieden werden. Asynchrone Kommunikation ist als Kommunikation mit Verzögerung, bzw. Unterbrechung definiert. Beispiele hierfür, die von Jugendlichen zur Kommunikation verwendet werden, sind:

Short Message Service (SMS), Electronic Mail (E-MAIL), Internetforen/Boards, Weblogs, Wikis, Newsletter und aufgenommene Videos.

· SMS: Etwa vier Fünftel[3] der Jugendlichen[4] in Deutschland verkehren regelmäßig (mehrmals pro Woche)über ihr Handy per SMS miteinander. Dieser Telekommunikationsdienst zur Versendung von kurzen Textnachrichten ist seit 1992 möglich und wurde auch zum Multimedia Messaging Service (MMS)[5] weiterentwickelt. Diese Dienste, die mittlerweile auch über das Festnetz und aus dem Internet verfügbar sind, sind für Nutzer zumeist nicht kostenlos. Sie ermöglichen den Netzbetreibern wesentlich höhere Gewinnspannen als bei Telefondiensten, da kein Gesprächsaufbau nötig ist und nur vergleichsweise geringe Datenmengen übermittelt werden müssen. Daher sollten neben den technischen Einzelheiten im Unterricht vor allem auch die Kosten thematisiert werden.

· E-MAIL: Rund 55 Prozent der Jugendlichen versenden und empfangen in Ihrer Freizeit täglich bzw. mehrmals pro Woche E-Mails. Dieser wichtigste Dienst des Internets, ist eine briefartige Nachricht, die auf elektronischem Weg übertragen wird. Beim E-Mail-Dienst ist es möglich, beliebige Dateien[6] wie Bilder, umfangreiche und strukturierte Dokumente, Programm- oder Musikdateien als Anhang mit zu versenden. Da die häufigsten E-Mails Spammails sind, sollten im Unterricht natürlich Spam und Authentizität, Integrität und Verschlüsselung bei E-Mails behandelt werden.

Auch auf die unterschiedlichen Benutzerschnittstellen: E-Mail-Programm und Webmail sollten die Jugendlichen aufmerksam gemacht werden. Auch Mailinglisten als Urform von Internetforen und Newsgroups sollten angesprochen werden.

· Internetforen + Boards: Ein Internetforum ist ein virtueller Platz zum Austausch von Gedanken und Meinungen, die in Form von Beiträgen (sogenannten „postings“) abgegeben werden können. Unter einem Thread werden Beiträge zum einem Thema (Topic) zusammengefasst und zur Diskussion gestellt. Die Einhaltung von der angegebenen Forenregeln wird dabei häufig von sogenannten „Moderatoren“ überwacht, welche auch die Diskussionen in einzelnen Themengebieten leiten können. Besonders beliebt sind Hilfeforen zu verschiedenen Problemen – beispielsweise Computer-Hilfeforen. In Webforen sind die Threads linear angeordnet, bei Boards hingegen liegen sie in einer Baumstruktur vor. Unix stellt für seine Benutzer das Netzwerk „Usenet“ als elektronisches Diskussionsforum bereit.

· Weblog: Ein Weblog ist ein elektronisches Tagebuch, welches von einer oder mehreren Personen (den sogenannten Bloggern) auf einer Webseite geführt wird und dadurch öffentlich einsehbar ist. Durch Mikroblogging-Dienste können von Bloggern Beiträge verfasst werden, die meist verschiedenen Nutzergruppen zugänglich gemacht werden können und kürzer als 200 Zeichen sind. Ein solcher Mikroblogging-Dienst ist das Open-Source Softwareprojekt Twitter[7], bei dem die einzelnen Beiträge maximal 140 Zeichen lang sein dürfen. „Twitter ist ein von Menschen kontrolliertes Echtzeit-Informationsnetzwerk, das [dem Nutzer] erlaubt, mit anderen zu entdecken und zu teilen, was gerade passiert, überall auf der Welt.“[8] Über Twitter können auch Fotos, Videos und andere Medieninhalte angeschaut werden. Für Twitter-Nutzer („Tweeter“), die ihre Botschaften nicht auf 140 Zeichen beschränken wollen, ist der Dienst TwitLonger[9] entwickelt worden, der beliebig lange Einträge an Twitter überträgt.

· Wiki: „Ein Wiki (hawaiisch für ‚schnell‘), seltener auch WikiWiki oder WikiWeb genannt, ist ein Hypertext-System für Webseiten, dessen Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online direkt im Browser geändert werden können. Diese Eigenschaft wird durch ein vereinfachtes Content-Management-System, die sogenannte Wiki-Software oder Wiki-Engine, bereitgestellt. Zum Bearbeiten der Inhalte wird meist eine einfach zu erlernende Auszeichnungssprache verwendet. Eine bekannte Anwendung ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia, welche die Wiki-Software MediaWiki einsetzt.“[10]

· Aufgenommene Videos: Videoportale bieten ihren Nutzern vielfältige Möglichkeiten zur Verbreitung von aufgenommen Videosequenzen. Das Anlegen eines eigenen Nutzer-Accounts gehört bei fast allen Videoportalen genauso zum Service, wie das Erstellen einer persönlichen Favoritenliste sowie umfangreiche Kommentar- und Suchfunktionen. Jugendliche kommunizieren dabei über die Kommentarlisten oder geben auf Videos Antworten, in dem sie selbst ein Video zum Thema erzeugen und ins Netz stellen. So werden beispielsweise auch Wettbewerbe in Form von Videoantworten zu verschiedenen Themen durchgeführt. Leider vergessen die Nutzer dabei oft, dass öffentlich ins Internet gestellte (meist private) Videos für jedermann zugänglich sind und heruntergeladen oder missbraucht werden können. Auch hier sollte im Unterricht unbedingt Privatsphäre und Datenschutz behandelt werden, sodass Kommunikation und Freizeitvergnügen in Videoportalen für den Nutzer ohne negative Folgen – beispielsweise für den Start ins Berufsleben – bleiben.

· Newsletter: Als Newsletter werden elektronische Rundsendungen in Form von E-Mails oder als Mailanhang bezeichnet, die vor allem von Unternehmen oder Vereinen verschickt werden, um deren Kunden bzw. Mitglieder mit aktuellen Informationen zu versorgen. Als Kommunikationsmittel werden sie von Jugendlichen eher in begrenztem Maße verwendet, beispielsweise um alle Mitglieder einer Interessensgruppe auf dem Laufenden zu halten. Da Newsletter auch kostenpflichtig sein können, ist es wichtig, im Unterricht zu vermitteln, dass man sich vor dem Abonnieren eines Newsletters über Kosten sowie die Art und Weise des Abbestellens informieren sollte.

Auch für die Möglichkeit der synchronen Kommunikation, welche keine Verzögerung erlaubt und ohne Unterbrechung geführt werden muss, sollen hier verschiedene Beispiele zur Behandlung im Unterricht vorgestellt werden:

· Telefonie: Telefongespräche können auf dem „herkömmlichem Weg“ – über das Festnetz, über die Handynetze oder über Computernetzwerke geführt werden. Neben dem Senden von Kurznachrichten ist die Telefonie die häufigste Art der Handynutzung bei Jugendlichen[11]. Die Nutzung des Handys für diese Art der Sprachkommunikation ist bei Schülern deshalb so beliebt, da man sich an nahezu jedem Ort, ohne die räumliche Begrenzung der Festnetztelefonie austauschen kann. Das Handy bietet weiterhin den Vorteil, dass Eltern beim Telefonieren über das Handy weniger Kontrolle auf die Jugendlichen ausüben, da Gespräche nicht zwangsläufig (wie bei der Festnetztelefonie) in der Nähe der Eltern geführt werden müssen.

Da die Gesprächskosten je nach Mobilfunkbetreiber stark variieren können, sollten Handykosten und überteuerte Sonderrufnummern im Unterricht unbedingt thematisiert werden. Außerdem wird auch die Internet-Protokoll-Telefonie (IP-Telefonie oder Voice over IP –kurz VoIP) immer beliebter. Entscheidende Gründe hierfür sind der geringe Preis und die immer unkompliziertere Handhabung dieses Dienstes, denn die sogenannte Internettelefonie muss nicht zwangsläufig über das Head-Set am Computer geführt werden. Speziell für diesen Dienst konzipierte Festnetztelefone und Adapter ermöglichen den Austausch von Sprach- und Steuerinformationen in hoher Qualität und zu geringen Kosten (der Nutzer bezahlt ausschließlich für die Internetnutzung). Durch die Nutzung des IP-Netzes zur Sprachübertragung ergeben sich aber natürlich auch Sicherheitsmängel (Gespräche können abgehört oder mitgeschnitten werden), welche im Unterricht erwähnt werden sollten.

· Chat: Unter „chatten“ wird eine Form der elektronischen Kommunikation bezeichnet, die entweder über einen Chatserver und eine Clientsoftware oder direkt über den Webserver geführt wird. Die Ursprungsform des Chats ist der Textchat, der zum Audio- (Voice-) oder Videochat weiterentwickelt wurde. Hierbei werden je nach verwendeter Technik der Internet Relay Chat (IRC), der Webchat und Instant Messaging unterschieden. Im Gegensatz zum IRChat (mit Chatserver und Clientsoftware) und Webchat (im Webserver) wird beim Instant Messaging der Chat nicht im öffentlichen Chatroom, sondern nur zwischen Rechnern, die mit entsprechender Software ausgestattet sind, geführt. Eine besondere Form des Chats ist der SMS Chat über den Videotext bestimmter Fernsehsender (SMS-TV-Chat). Hierbei sendet der Nutzer eine Kurzmitteilung an die angegebene Nummer des Dienstanbieters. Diese Kurzmitteilung erscheint dann als Chatbeitrag auf der Chatseite des Fernseh-Teletextes und kann so von anderen Nutzern gesehen und beantwortet werden. Chatter verwenden für ihr Profil fast ausschließlich Pseudonyme, um ihre persönliche Identität zu schützen.

· Video-Konferenz und Bildtelefonie: Während Bildtelefonie nur zwischen 2 Partnern geführt wird, wird eine „technisch basierte, audiovisuelle Fernkommunikation“[12] zwischen mehreren Kommunikationspartnern als Videokonferenz bezeichnet. Als Geräte für die Eingabe von bewegten Bilder und Tonsignalen werden Mikrofon und Digitalkamera benötigt, zum Abspielen der ausgetauschten Informationen werden Bildschirm und Lautsprecher verwendet. Diese Kommunikationsform wird eher selten von Jugendlichen genutzt –Hauptanwender sind Arbeitswelt und Bildung.



[1] Statistik aus folgender Internetquelle: [BITK09].

[2] Ebenda.

[3] [JIMS09], S. 55f.

[4] Betrachtet werden hierbei Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren – siehe auch [JIMS09], S. 4.

[5] Versendung von Textnachrichten mit Bildern, Fotos und / oder Videos.

[6] Diese können je nach Größe der Datei als Original oder in komprimierter Form (z.B. als .zip-Dateiformat) mit versendet werden.

[7] Offizielle Twitter-Homepage: http://twitter.com

[8] [TwAb10], Abruf am 02. 08. 2010.

[10] [WiKi01], Abruf am 03. 08. 2010.

[11] [JIMS09], S. 55.

[12] [TbaF03], Abruf am 03. 08. 2010.

 

Tipps

Als persönliche und direkt anwendbare Quintessenz der Unterrichtsstunden sollten die Schüler je nach Anlass ein geeignetes Kommunikationsmittel finden und sicher damit umgehen können. Des Weiteren sollen Kommunikationshilfen kennen gelernt und verstanden werden, um so Menschen mit Behinderung zu unterstützen und ihnen Hilfen geben zu können.