Informatik und Gesellschaft IM UNTERRICHT

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Start M3: Rechtliche Besonderheiten

MODUL 3: Rechtliches

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Da mit Hilfe des PCs Datenträger, Mediendateien und Dokumente sehr schnell, einfach und in Originalqualität kopiert und verändert werden können ist natürlich Datenschutz bei der Nutzung elektronischer Kommunikationsformen besonders wichtig und sollte im Unterricht ausführlich behandelt werden. Hierbei empfiehlt sich eine fächerverbindende Arbeitsweise mit dem Unterrichtsfach Wirtschaft und Recht. Gerade bei der Nutzung von Kommunikationsdiensten im Internet (beispielsweise in sozialen Netzwerken) ist es nötig, seine Rechte zu kennen und (persönliche) Daten und die Privatsphäre zu schützen. Generell gilt: personenbezogene Daten nur mit erhöhter Vorsicht preiszugeben und abzuwägen, ob durch den Betreiber oder andere Nutzer geforderte Angaben auch wirklich benötigt werden. Ihre persönlichen Daten sollten die Schüler auch vor der Abgabe oder dem Recyceln von elektronischen Geräten (die zur Kommunikation verwendet wurden) gründlich formatieren.[1]

Auch über Urheberrecht, Plagiate und korrektes Zitieren in Beiträgen muss man als Kommunikationsteilnehmer informiert sein, denn diese sind zunehmend mehr in die Handlungen des täglichen Lebens eingebunden. Gesetzeslage und Rechtsprechung hierbei sind aber in ihren Details so kompliziert, dass sie für Laien kaum handhabbar sind.

Gerade deshalb müssen Schüler im Unterricht über die rechtlichen Grundlagen ihrer Tätigkeiten informiert werden, um sich nicht unbewusst strafbar zu machen. „Beim Schutz geistiger Schöpfungen existieren weltweit zwei Rechtssituationen: das kontinentaleuropäische Urheberrecht und das angloamerikanische Copyright.“ Das Urheberrecht schützt „die geistigen und wirtschaftlichen Interessen des Autors“, das Copyright hingegen „die wirtschaftlichen Interessen der Verleger – öffentliches Wohl soll durch wirtschaftlichen Anreiz gefördert werden“.[2] Da der Urheber laut Urheberrechtsgesetz über das Ausschließlichkeitsrecht (§11 UrhG) an seinen Leistungen verfügt, ist für die Verwendung seines Werkes nur das erlaubt, was er oder das Gesetz konkret gestatten.[3] Nutzungshandlungen aus gewerblichem Interesse sind generell nie ohne Zustimmung des Urhebers möglich. Für die private Nutzung sowie die Benutzung von Werken für Schule und Ausbildung gelten sehr eingeschränkte Ausnahmen - die so genannten „Schrankenbestimmungen“. Diese Ausnahmeregelungen sollten an konkreten Alltagsbeispielen im Unterricht behandelt werden. Für die Unterrichtsgestaltung bieten sich auch Rollenspiele oder Pro- Kontra- Diskussionen an, in denen Schüler sich in die einzelnen Lager bzw. Interessensgruppen des Urheberrechtes (beispielsweise Künstler, Verlage, Verwertungsgesellschaften, Nutzer) hineinversetzen müssen.

Die Herstellung von Plagiaten (so zum Beispiel die Verwendung eines bereitgestellten Referates aus dem Internet) ist ebenso ein Verstoß gegen das Urheberrecht und damit strafbar. Ein Plagiat ist laut Hochschulrektorenkonferenz eine "unbefugte Verwertung [eines Werkes] unter Anmaßung der Autorenschaft"[4]. Hierbei muss Schülern der Unterschied zwischen Anmaßung der Autorenschaft, sogenannter „freier Benutzung“ (Inspiration durch ein anderes Werk, das entstandene Werk weicht dabei aber stark vom Original ab) und korrektem Zitieren deutlich werden. Speziell das Thema Zitieren (auch von Beiträgen anderer Nutzer – beispielsweise in Foren) bietet sich für fachübergreifendes Arbeiten mit dem Unterrichtsfach Deutsch und fremdsprachlichen Fächern sehr an.

Als weitere rechtliche Besonderheit sollte man sich auch unbedingt vor dem Eröffnen einer Kommunikationsplattform im Internet über das Haftungsrisiko für Nutzerbeiträge bewusst sein, um bei Verstößen schnell und konsequent handeln zu können.

Da von vielen Jugendlichen auch Mediendateien (beispielsweise Musik oder Videos[5]) zur Kommunikation benutzt werden, sollte Unterricht auch über rechtliche Aspekte sogenannter „File-Sharing-Börsen“[6] informieren. Hierbei ist die Rechtslage oft uneindeutig. Das Hochladen von Dateien zum Tausch im Internet ist verboten, das Herunterladen seit dem "Zweiten Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft"[7] stärker eingeschränkt worden.[8] Demnach ist das „Herunterladen von Dateien nicht zulässig, wenn die Quelle ‚offensichtlich rechtswidrig‘ online gestellt wurde“[9]. Diesen Sachverhalt als Nutzer beurteilen zu können, gestaltet sich jedoch schwierig und ist in vielen Fällen für Laien nicht möglich. Daher bewegen sich Nutzer von Tauschbörsen, auch wenn Privatkopien getauscht werden, rechtlich oftmals in einer Grauzone.

Auf Festplatten oder Handys der jugendlichen Besitzer wurden in den letzten Jahren verstärkt Gewaltvideos oder Videos mit pornografischen Inhalten gefunden, deshalb sollten im Unterricht auch rechtliche Konsequenzen des Besitzes und der Weiterleitung besprochen werden.



[1] Hier ist von Seiten der Hersteller erhöhter Nachholebedarf nötig, der Europäische Datenschutzbeauftragte fordert Geräte „mit eingebautem Datenschutz“ in einer Pressemitteilung vom April 2010. Siehe auch: http://www.edps.europa.eu/EDPSWEB/webdav/site/mySite/shared/Documents/EDPS/PressNews/Press/2010/EDPS-2010-07_e-waste_DE.pdf

[2] [BupB07b], Abruf am 15. 08. 2010.

[3] [WiEi06], Abruf am 15. 08. 2010, S. 48.

[4] [HoRK98], Abruf am 15. 08. 2010.

[5] Siehe dazu Punkt 7.1.1 Absatz 6: Kommunikation über aufgenommene Videos

[6] Dies sind virtuelle Tauschbörsen im Internet, durch welche Nutzer ihre Musikdateien, Videos, Fotos etc. anderen Nutzern zugänglich machen und zur Verfügung stellen.

[7] Umfassende Informationen dazu auf der Homepage des Instituts für Urheber- und Medienrecht München: http://www.urheberrecht.org/topic/Korb-2/, Abruf am 13. 08. 2010.

[8] [BupB07a], Abruf am 15. 08. 2010.

[9] [BupB07a], Abruf am 15. 08. 2010.

 

Tipps

Für die methodische Vorgehensweise im Unterricht empfiehlt sich bei vielen Einzelthemen eine Zusammenarbeit mit mehreren Unterrichtsfächern. Dabei sollten natürlich auch die Methoden der jeweils anderen Fächer verwendet und dadurch stärker mit neuen Lehr- und Lernformen experimentiert werden.So kann das „Lernen mit allen Sinnen“ gefördert werden, bei dem sich sowohl mediale als auch nicht mediale Kompetenzen vermischen.