Informatik und Gesellschaft IM UNTERRICHT

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MODUL 4: Unterstützte Kommunikation

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1. Elektronische Kommunikationshilfen

Jugendlichen einen Einblick in elektronische Kommunikationshilfen zu geben oder ihr Wissen darin zu vertiefen, ist besonders in Integrativen Einrichtungen empfehlenswert. Hierbei können Schüler, die sich über elektronische Kommunikationshilfen mitteilen, eine Schlüsselrolle einnehmen und ihr Wissen und ihre Alltagserfahrungen an die Mitschüler weitergeben. Aber auch in Schulen ohne Schüler mit Einschränkungen in der Kommunikationsfähigkeit ist die Behandlung der Thematik sinnvoll, da durch einen Gewinn an Wissen auch ein Gewinn an Verständnis und Hilfe für Menschen mit Behinderung zu erwarten ist. „Elektronische Kommunikationshilfen sind Geräte, die Eingaben (über die Tastatur oder über andere Eingabegeräte) in Lautsprache oder Schriftsprache verwandeln.“[1] Sie bieten „wenig oder nicht-sprechenden Menschen die Möglichkeit, Kommunikation und Sprache anzubahnen, weiter zu entwickeln oder alternative und ergänzende Formen zu finden. Ziel ist es, diesen Menschen Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken zu geben und ihre Fragen zu eröffnen, damit besonders für Kinder und Jugendliche Weiterentwicklung in allen Bereichen möglich wird.“[2]

Trotz aller technischen Entwicklungsfortschritte der letzten Jahre auf dem Gebiet elektronischer Kommunikationshilfen sind einer spontanen Kommunikation, wegen einem meist langsamen Eingabetempo und / oder des begrenzten Wortschatzes der Geräte, gewisse Grenzen gesetzt. Elektronische Kommunikationshilfen können in zwei Gruppen eingeteilt werden: Man unterscheidet hierbei zwischen herkömmlichen PCs oder Laptops, die mit spezieller Kommunikationssoftware (und teils speziellem Hardwarezubehör) ausgestattet werden und eigens zur „Unterstützten Kommunikation“ konstruierte Spezialcomputer, die überwiegend als mobile Einsatzgeräte konzipiert werden. Beide Möglichkeiten bieten generell zwei Arten der Sprachunterstützung: die schriftorientierte und die grafikorientierte Kommunikation. Bei der schriftorientierten Kommunikation werden über Standart-Schreibprogramme oder Spezialprogramme (zum Beispiel „MULTITEXT“[3]) Mitteilungen formuliert, die angezeigt, ausgedruckt oder mittels Sprachausgabe ausgesprochen werden können. Graphisch orientierte Kommunikationshilfen (wie „GoTalk Express“[4]) ermöglichen je nach geistiger und motorischer Fähigkeit die Auswahl verschiedener Grafiken (meist Felder) am Bildschirm, die auch zu weiteren Auswahlgrafiken führen können. Der Computer zeigt hierbei Bilder oder hinterlegte Inhalte an, spricht oder druckt diese als Text oder Bild. Die Sprachausgabe der Kommunikationshilfen erfolgt entweder natürlich (wie „Let´s Talk“[5]) oder synthetisch (beispielsweise bei „DYNAVOX XPRESS“[6]). Bei der natürlichen Sprachausgabe kann aufgenommene Sprache eingespeichert und vom Gerät wiedergegeben werden. Vorteile sind hierbei der natürliche Klang und die hohe Verständlichkeit der Wiedergabe, die auch Musik oder Geräusch sein kann. Ein erheblicher Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass jede Ausgabe vorher von einem Sprechenden aufgenommen werden muss. Dieser Nachteil war Anlass zur Entwicklung synthetischer Sprachausgaben, bei denen die Sprache direkt von einer Computersoftware erzeugt wird und dadurch oft schwer verständlich ist und fremdartig klingt.[7]

Zur Ansteuerung des elektronischen Kommunikationsgerätes bieten sich je nach Benutzerprofil des beeinträchtigten Menschen[8] vielfältige Möglichkeiten:

Es kann über eine Standarttastatur (mit verschiedenen Schablonen oder Abdeckplatten) oder Spezialtastaturen (Groß-/ Kleintastaturen) bedient werden. Zur Eingabe können auch Druck- und Kippschalter, PC-Mouse, Joystick, Trackball, Taster, Saug- Blasschalter oder entsprechende Nachbildungen benutzt werden, die je nach Beeinträchtigung durch verschiedene Körperteile bedient werden. Eingaben können auch durch einen Stirnstab, die Kopfmouse, Licht- oder Näherungssensor oder Augensteuerung direkt („direkte Selektion“) oder indirekt (mittels „Scanningverfahren“) getätigt werden.


2. Barrierefrei im Internet surfen und kommunizieren

Für behinderte Menschen sind die Kommunikationsangebote des Internets „Fluch und Segen“ zugleich. Einerseits bedeuten sie für Körperbehinderte mehr Unabhängigkeit von räumlichen Einschränkungen (sie können Bekannte und Freunde nun auch „virtuell treffen“) und somit einen Zugewinn an persönlicher Freiheit. Andererseits können viele Angebote, die meist auf eine Zielgruppe ohne Einschränkungen (beispielsweise in der Bedienung des PCs) ausgerichtet sind, nicht genutzt werden. Deshalb ist es wichtig, bereits bei der Entwicklung von Webseiten (für Kommunikationsangebote) auf Barrierefreiheit zu achten. Als „barrierefrei“ werden Angebote definiert, die keinen Nutzer (auf Grund seiner Beeinträchtigung) ausschließen und dadurch benachteiligen. Besonders für blinde oder sehbehinderte Menschen stellen Internetangebote, die mit aufwendigen Grafiken, Animationen oder Applikationen versehen wurden, große Hürden dar. Damit auch diese Internetnutzer auf grafische und visuelle Oberflächen zugreifen zu können, werden diese mittels Sprachsynthese akustisch über Audioausgabe oder taktil über Braillezeile wiedergegeben. „Diese Technologien benötigen geeignet aufbereiteten Content, um eine sinnvolle Ausgabe erzeugen zu können. Visuelle Strukturierungen und grafische Elemente werden durch diese Ausgabeformen nicht oder nur rudimentär berücksichtigt.“[9] Für die oben genannten Ausgabetechnologien ist eine textorientierte und linear aufgebaute oder linearisierbare, strukturierte und auswertbare Gestaltung des Inhalts nötig. „Anhand der logischen Struktur kann die unterstützende Hilfstechnologie Filter anbieten, um den Nutzer beim Auffinden relevanter Inhalte zu unterstützen.“[10]

Wie Webseiten browserunabhängig[11] und barrierefrei gestaltet werden können, wird von der Web Accesibility Initiative (WAI)[12] in zahlreichen Guidelines und Veröffentlichungen erarbeitet und aktualisiert.



[1] [WiKi02], Abruf am 01. 08. 2010.

[2] Nach [UnKo10], Abruf 15. 08. 2010.

[3] Weitere Informationen unter http://www.hindelang-software.de

[5] Weitere Informationen unter http://members.aon.at/letstalk/index.htm

[7] [ZfCU97], Abruf am 16. 08. 2010.

[8] Klassifizierungen und Benutzerprofile bei: [MeCo09].

[9] [MeCo05], S. 64.

[10] Ebenda.

[11] Weitere Informationen unter http://www.anybrowser.com

[12] Internetseite des WAI: http://www.w3.org/WAI .

 

Tipps

Kinder und Jugendliche Medien als Bestandteil ihrer Lebenswirklichkeit technisch und inhaltlich (meist sogar besser als ihre Eltern oder Lehrer), aber kaum reflektiert nutzen. Die gemeinsame Aufgabe der Schule und des häuslichen Umfeldes besteht deshalb in der Sensibilisierung, Reflektion und Prävention im Umgang mit Informationstechnik. Deshalb müssen gerade im Informatik- und Medienkundeunterricht die Fähigkeiten des Abwägens und das Vermögen der Urteilsbildung noch stärker trainiert werden.