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Start M5: Umwelt und Kosten

MODUL 5: Kosten, Umwelt

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In diesem Themengebiet sollen besonders die Kosten der Kommunikationstechnik zu Lasten der Umwelt, der enorme Stromverbrauch und die persönlich aufzuwendenden Kosten für den Nutzer elektronischer Kommunikation näher beleuchtet werden.

1. Belastungen für Mensch und Umwelt

Da heutige Computer- und Handytechnik durch ständige hard- und softwaretechnische Innovationen weiterentwickelt wird, ist auch die Verwendungsdauer nur relativ kurz (bei Laptops beträgt sie im Durchschnitt nicht länger als vier bis fünf Jahre[1], bei Handys nicht einmal zwei Jahre[2] - Tendenz fallend). Da sich Konsumenten trotz intakter Altgeräte die neuesten Entwicklungen der Technik kaufen, bedeutet dies eine Kurzlebigkeit der Geräte mit fatalen Folgen für Mensch und Umwelt. Die Stoffbilanz bei der Computerherstellung ist desolat – so werden für den Bau eines zwei Gramm schweren Speicherchips 1,3 Kilogramm fossile Brennstoffe aufgewendet. Für die Produktion eines PC-Monitors werden sogar durchschnittlich 240 Kilogramm fossile Brennstoffe, 22 Kilogramm Chemikalien und 1,5 Tonnen Wasser verbraucht.[3] Da PCs aus einer Vielzahl komplexer Bauteile unterschiedlichster Materialien bestehen (Gehäuse, Kabel, Speicherchips usw.), werden auch verschiedene problematische Inhaltsstoffe zur Herstellung verwendet: eine Vielzahl an Schwer- und Edelmetallen, Gasen, Säuren, Kunststoffen, Lacken, Lösemitteln, Kohlenwasserstoffen, Oxidationsmitteln und mehr[4]. Für eine detailliertere Behandlung dieser giftigen, krebserregenden bzw. schädlichen Stoffe bietet sich fächerübergreifendes Arbeiten mit dem Unterrichtsfächern Chemie und Biologie an. All diese, für Mensch und Natur gefährlichen Stoffe müssen bei der Computerbeseitigung entsorgt werden, was in Deutschland durch das „Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten (ElektroG)“ geregelt wird.

Dieses beinhaltet die Umsetzung der WEEE (Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft über Elektro- und Elektronik-Altgeräte) und der RoHS (Mengenbeschränkung für Schadstoffe in Elektro- und Elektronikgeräten) und somit auch Vorschriften für Konsumenten, wie: „Besitzer von Altgeräten haben diese einer vom unsortierten Siedlungsabfall getrennten Erfassung zuzuführen“ (§ 9, Art. 1 ElektroG)[5]. Um die Menge der zu entsorgenden Elektronikgeräte und –bauteile so gering wie möglich zu halten, müssen von Herstellern, Nutzern und Entsorgern geeignete Maßnahmen getroffen und noch entwickelt werden. Im Schulunterricht sollten die Jugendlichen für die Elektronikschrottproblematik sensibilisiert werden und selbst Lösungsansätze hierfür finden. Möglichkeiten zur Eindämmung des Elektronikschrottes und zur Verhinderung von Schäden für Mensch und Umwelt sind beispielsweise der Verzicht auf umweltschädliche Substanzen bei der Herstellung von PC und Handy. Hierbei sind schon enorme Fortschritte erzielt worden – so haben halogenfreie Mainboards die Serienreife längst erreicht und es wurden bleifreie Lötverfahren für Leiterplatinen entwickelt. Die recyclinggerechte Konstruktion und umweltgerechtes Design durch eine erhöhte Anzahl wieder verwendbarer Bauteile sind ebenso Ziele in der Verantwortung der Hersteller. Die einzelnen Bauteile langlebiger zu gestalten[6], verstärkter aus recyceltem Material anzufertigen und eigene Möglichkeiten zum Altgeräterecycling bzw. zur Wiederaufbereitung zur Verfügung zu stellen, obliegt ebenfalls den Produzenten.[7] Zum einen müssen dabei Gefahren beim Recyceln und der endgültigen Beseitigung (wie scharfe oder splitternde Bauteile) bedacht werden. Diese können bei der Zerlegung bzw. Zerstörung der Materialstruktur der Geräte auftreten. Zum anderen sind nicht nur in den Produkten selbst schädliche Stoffe enthalten, sondern es werden auch gefährliche Hilfsstoffe bei Separations- und Rückgewinnungsprozessen verwendet sowie bei der Behandlung oder Verwertung gebildet.[8] Dass die Entsorgung von Elektronikgeräten derzeit meist in Entwicklungs- oder Schwellenländern erfolgt, „mit abfallwirtschaftliche[n] Strukturen, die weit unterhalb des Standards liegen, den die Europäische Gemeinschaft als Mindestschutzstandard für sich als notwendig erachtet“[9] und für Elektro-Altgeräte "Behandlungs- und Verwertungstechniken angewandt werden, die keine optimale Rückgewinnungsrate sicher stellen“[10], ist dabei ein zusätzlicher Risikofaktor. Auch durch sinnvolle und effiziente Nutzung der Geräte können Risiken für Mensch und Umwelt vermieden werden.

So können sich Nutzer beispielsweise Geräte teilen – in unserer modernen Technikwelt sollte nicht das Besitzen, sondern das Benutzen der Elektronischen Innovationen das Ziel sein[11]. Des Weiteren sollten Jugendliche zum Kauf umwelt- und gesundheitsbewusster Produkte angeregt werden – ein Erkennungszeichen hierfür ist der „Blaue Engel“, mit dem leistungsfähige wie umwelt- und gesundheitsfreundliche elektronische Geräte gekennzeichnet werden.[12]

„Die Produktion nur eines PCs mit Monitor verbraucht rund 2.790 Kilowattstunden Energie und setzt damit rund 850 Kilogramm Treibhausgase frei.“[13] Deshalb sollte der Nutzer vor jedem Kauf kritisch prüfen, ob er tatsächlich ein neues Gerät benötigt[14], oder ob das derzeitige durch neue Bauteile aufgerüstet oder durch eine Systembereinigung und verbesserte, effizientere Software beschleunigt werden kann. Um Jugendlichen die richtige Entsorgung von Elektronikaltgeräten zu vermitteln, sollten vor Ort, am konkreten Beispiel die regionalen Möglichkeiten untersucht werden. Einige lokale Unternehmen im Recycling- und Entsorgungsbereich bieten Projekte und Exkursionen für Schulen an.
Alte Geräte können von Verbrauchern auch kostenlos zurück an den Hersteller gegeben werden, der laut ElektroG verpflichtet ist, diese umweltgerecht zu entsorgen. Für Alt-Handys und deren Akkus und Ladekabel bietet das Unternehmen Greener Solutions[15] eine verbraucherfreundliche Lösung zur umweltschonenden Entsorgung an: dazu muss das Handy samt Akku und Ladekabel einfach in eine Sammelbox (im Handel) oder in einen voradressierten Umschlag gesteckt werden. Außerdem wird von Greener Solutions auch das Internetportal Zonzoo[16] zum Ankauf gebrauchter oder defekter Handys betrieben. Das Unternehmen übernimmt die Kosten für den Versand und die fachgerechte Wiederaufbereitung (zur Weitergabe an Bedürftige) bzw. umweltgerechte Entsorgung.
Zu einer ökonomischen Techniknutzung gehört auch Energieeffizienz bei der Produktion, am Gerät und beim Gebrauch[17].

2. Energiebedarf und Einsparungsmöglichkeiten bei Kommunikationsgeräten

„Zehn Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland gehen auf die Informations- und Kommunikationstechnik zurück.“[18] Um einem weiteren Anstieg dieser hohen Prozentzahl entgegenzuwirken, sind Maßnahmen zur Reduzierung des Stromverbrauchs unbedingt notwendig. Das Interesse der jugendlichen Kommunikationsteilnehmer muss deshalb für den Einsatz umweltfreundlicherer Technik mit geringem Energieverbrauch und Energiemanagementsystemen gewonnen werden. Darüber hinaus sollte auch eine sorgfältige Auswahl des Neugerätes hinsichtlich der benötigten Funktionen getroffen werden. So verbraucht ein herkömmliches Einsteiger-Notebook im Jahr lediglich acht Prozent der Energieleistung eines Gamer-PCs.[19] Außerdem ist es wichtig, allgemeine Stromsparmaßnahmen zu kennen, um so ressourcenschonend wie möglich zu handeln. Hierfür bietet sich in der Schule auch ein gemeinsames Arbeiten mit dem Unterrichtsfach Physik (Elektrizitätslehre) an, um vergleichende Messungen des Stromverbrauches verschiedener PC-Typen, von Routern, Handys usw. durchführen zu können. Die Behandlung von intelligenten Stromzählern, die direkt zwischen Gerät und Steckdose geschalten werden können, wäre hierbei empfehlenswert.[20] Im Klassengefüge sollte ebenfalls über den Einsatz von weniger (nicht unbedingt notwendiger)Technik und über die Verwendung von effizienteren Geräten diskutiert werden.

3. Kostenfalle Kommunikation

Bei der Kostenbetrachtung der einzelnen Kommunikationsformen wird deutlich, dass erhebliche Preisunterschiede bestehen. Deshalb ist es sinnvoll, sich vorher zu überlegen, zu welchem Zweck man kommunizieren möchte und dann abzuwägen, welches Kommunikationsmittel sich am besten dafür eignet und am kostengünstigsten ist. Während viele Kommunikationsdienste (wie gewöhnliche Emails) im Internet kostenfrei sind und sich über Werbung, Nutzerdaten o.ä. finanzieren, werden für die Kommunikation über das Handy in der Regel Gebühren in unterschiedlicher Höhe fällig. Gerade bei preisintensiveren Kommunikationsformen (wie MMS oder SMS-TV-Chat) kann man leicht den Überblick und die Kontrolle über die Kosten verlieren. Besonders bei jungen Nutzern, ohne geregeltes Einkommen, können Gebühren für Kommunikationsdienstleistungen schnell das persönliche Budget überschreiten und zur Schuldenfalle werden. Dieser Tatsache soll im Unterricht entgegengewirkt werden, indem Schülern ein besserer Einblick, auch in versteckte Kosten gegeben wird. Hierbei sollten besonders die persönlichen Beispiele und Negativerfahrungen der Jugendlichen einfließen.

Kostenfallen können bei der Handynutzung beispielsweise im Abrechnungstakt, bei Gebühren für Auslandsgespräche oder allgemein in der Art des Vertrages (Prepaid vs. Laufzeitvertrag) stecken. Je nach Vertrag werden auch beim Surfen im Internet (über das Handy) bereits für den Download geringer Datenmengen erhebliche Kosten erhoben. Auch der Rückruf entgangener Anrufe zu unbekannten, dubiosen Rufnummern kann sehr teuer werden. Auch wenn viele Kommunikationsangebote des Internets auf den ersten Blick kostenlos erscheinen, sollte man die Nutzungsbedingungen immer genau durchlesen, bevor man sich registriert oder kommuniziert. Oft verbergen sich scheinbar kostenlose Kommunikation teure Folgekosten oder Abonnements. Auch wenn auf Registrierungsseiten sensible Daten (wie Kontodaten) abgefragt werden, sollte man auf diese Angebote besser verzichten.



[1] [WWFD05], S. 2, Abruf am 20. 08. 2010.

[2] [GrSo10], Abruf am 22. 08. 2010.

[3] [WWFD05], S. 1, Abruf am 20. 08. 2010.

[4] Detaillierte Angaben unter [HdMS], Abruf am 21. 08. 2010.

[5] [EleG05], S. 5, Abruf am 20. 08. 2010.

[6] Mit dieser Maßnahme können veraltete Bauteile durch neue ersetzt werden, ohne das komplette Gerät austauschen zu müssen.

[7] Nach[WWFD05], S. 1ff., Abruf am 21. 08. 2010.

[8] Nach [UmBA10], S. 8, Abruf am 22. 08. 2010.

[9] [UmBA10], S. 1, Abruf am 22. 08. 2010.

[10] Ebenda.

[11] Kernaussage des Ressourcenkurzfilmes „Beyond Climate Change – Flow“, der im Auftrag des Umweltbundesamtes vom „sustainable design center“ als Low-Budget-Film produziert wurde und unter http://www.umweltbundesamt.de/ressourcen/faktor-x/ressourcenkurzfilm.htm, Abruf am 22. 08. 2010 heruntergeladen werden kann.

[12] Weitere Informationen unter http://www.blauer-engel.de.

[13] [UmBA09], S. 8.

[14] Allein in Deutschland fielen im Jahr 2008 rund 469 000 Tonnen Elektroaltgeräte an.

Quelle: [StBa10], S. 2, Abruf am 22. 08. 2010

[15] Weitere Informationen und Umschläge für die Einsendung von Handys im Mobilfunkgeschäft oder unter http://www.greenersolutions.de.

[16] Erreichbar unter http://www.zonzoo.de.

[17] Eine Liste energieeffizienter Geräte ist auf der Homepage der Deutschen Energie Agentur unter http://www.energieeffizienz-im-service.de/it-geraete.html oder unter www.ecotopten.de zu finden.

[18] [UmBA09], S. 8, Abruf am 22. 08. 2010.

[19] Statistik unter [UmBA09], S. 11, Abruf am 22. 08. 2010.

[20] Intelligente Stromzähler werden von Verbraucherzentralen kostenlos verliehen.

 

Tipps

Als persönliche und direkt anwendbare Quintessenz der Unterrichtsstunden sollten die Schüler je nach Anlass ein geeignetes Kommunikationsmittel finden und sicher damit umgehen können. Des Weiteren sollen Kommunikationshilfen kennen gelernt und verstanden werden, um so Menschen mit Behinderung zu unterstützen und ihnen Hilfen geben zu können.